Souveränität für Igel: unser ganz eigener Entwurf von KI

Das NEUTRUM Manifest für ehrliche KI

Welche Art von KI wir gestalten ist mehr als eine technische Frage. Sie stellt die Weichen dafür, in welcher Gesellschaft wir in Zukunft leben. Wir folgen einer klaren Vision, mit der wir uns gegen den Strom stellen.

Wir Menschen stehen bei der Entwicklung und Nutzung von künstlicher Intelligenz an einem Scheideweg, der unser Schicksal bestimmen wird. Das liegt daran, dass künstliche Intelligenz etwas ganz Anderes ist als menschliche:

Unsere Intelligenz ist aus Milliarden Jahren „Versuch und Irrtum“ in einer ziellosen Evolution hervorgegangen, in der sich Merkmale immer in der physischen und sozialen Umwelt bewähren mussten, um weitergegeben zu werden.

Künstliche Intelligenz dagegen ist von uns binnen kurzer Zeit im Labor entwickelt und auf ausgewählte digitale Inhalte trainiert, damit sie Ziele erfüllt, die wir ihr vorgeben – und wir wählen aus, was davon sich in der „realen Welt“ bewährt und „überleben“ darf.

Wir müssen entscheiden, was KI für uns sein soll

Damit ist klar, dass künstliche Intelligenz uns nicht ähneln muss – aber kann. Denn wir bestimmen Ziele, Zwecke und Form der KI:

Soll künstliche Intelligenz menschliche Intelligenz imitieren? Sich möglichst wie ein Mensch verhalten und uns so ersetzen können?

Oder soll uns künstliche Intelligenz eine andere Art zu Denken entgegensetzen? Unsere Schwächen und Klischees meiden und uns neue Perspektiven eröffnen?

Der LLM-Mainstream: Der undurchschaubare Kumpel

Large Language Modelle und die darauf basierenden Bots wie ChatGPT, Claude und Gemini schlagen den ersteren Weg ein: Künstliche Intelligenz soll menschliche Gedankengänge und Ausdrucksweisen möglichst genau nachahmen, bis ihre Art zu kommunizieren und zu erschaffen nicht mehr vom Menschen zu unterscheiden ist.

So erhalten wir Programme, die Menschen überall ersetzen können, wo man keinen Körper braucht – und zugleich all ihre Schwächen aufweisen, weil sie sie von der Pike auf erlernt haben: Vorurteile, Flunkereien, einen verzerrten Sinn für Mathematik und Statistik und den Trieb, seinem Gegenüber unbedingt gefallen zu wollen. Wie viele Menschen denken sie sich dabei lieber ein Ergebnis aus, als ihr Unwissen zuzugeben. Als „Black Boxes“ verwischen sie zudem gerne ihre Spuren – kein einziger LLM-Chatbot kann seine eigene Funktionsweise wirklich transparent machen und seine Schlüsse zuverlässig und überprüfbar herleiten.

Beauftragen wir sie mit der Lösung eines Problems, schlagen sie uns vor, was nach ihrer Erwartung bei uns auf den meisten Beifall stoßen wird – ohne Rücksicht darauf, welche Konsequenzen dies für uns in der realen Welt hat.

Unser Gegenentwurf: der ehrliche Fremde

Der Weg, den wir mit der Analytischen KI beschritten haben, führt zu einer künstlichen Intelligenz, die ganz anders auf unsere Welt blickt – als ein komplett Fremder.

Unser menschliches Treiben sowie die physische Umwelt studiert sie mit völliger Nüchternheit: Sie hält sich an das, was erhoben und berechnet werden kann, lernt daraus Muster, erkennt Zusammenhänge und kann so Szenarien erstellen und Handlungsweisen empfehlen. Das einzige einprogrammierte Motiv: Die Realität möglichst genau abbilden und Entwicklungen treffsicher vorhersagen – ob die Ergebnisse den Benutzern gefallen, spielt dabei keine Rolle. Dabei lässt sie sich komplett „explainable“ gestalten – kann also ihre „Gedankengänge“ und Ergebnisqualität stets transparent machen und unterliegt keinen Halluzinationen.

Eine solche künstliche Intelligenz macht uns nicht nach, wiederholt nicht unsere Klischees, schmeichelt uns nicht – sondern wirft uns ein leidenschaftsloses Spiegelbild zurück. Beauftragen wir sie mit der Lösung eines Problems, schlägt sie die Möglichkeit vor, die auf Basis der Daten das beste Ergebnis erwarten lässt – nach den Kriterien, die wir zuvor festgelegt haben.

Der anspruchsvollere Pfad zu besseren Lösungen

Wir sind überzeugt: Wenn es um Problemlösung in der „wirklichen Welt“ geht, ist eine künstliche Intelligenz klar überlegen, die die Schwächen menschlichen Denkens offenlegt und ihnen etwas entgegensetzt, das uns neue Optionen zeigt und uns zu neuen Wahrheiten führt. Dies gilt insbesondere für unseren wenig ausgeprägten statistischen Sinn, unsere langsamen Rechenfähigkeiten und unsere Neigung, schnell klischeehafte Schlüsse zu ziehen.

Doch ja, zugegeben: Eine solche KI fühlt sich weniger „warm“ und „entgegenkommend“ an und kann zunächst einen sperrigeren Eindruck machen. Denn sie fordert von uns, unsere Ziele und Kriterien klar zu definieren und selbst Entscheidungen zu treffen. Sie konfrontiert uns häufiger mit Ergebnissen, die uns gegen den Strich gehen. Das bringt langfristig großen Mehrwert, doch kostet uns zunächst mehr Einlassung.

KI wird unsere Gesellschaft formen. Wählen wir weise.

Wir finden: Es lohnt sich, diese Einlassung zu investieren. Denn wie sich KI verhält und wie wir uns mit ihr verhalten, wirkt sich darauf aus, wie wir leben. So basieren Demokratie, Markt und Rechtsstaat auf Bürgern, die sich ihres eigenen Verstandes bedienen, um sich Informationen zu verschaffen, auf deren Grundlage sie ihre Entscheidungen treffen. Transparenz, Rechenschaft und ein gleicher Zugang sind hierfür die unabdingbaren Grundlagen, jeder Einzelne muss Initiative zeigen.

Eine KI, die nüchtern für uns Fakten erhebt und bewertet, die versteckten Zusammenhänge aufdeckt und auf der Basis Empfehlungen darlegt, verleiht uns Siebenmeilenstiefel auf dem eigenen Weg zu Erkenntnis und Entscheidung. Sie schafft einen runden Tisch dokumentierter Fakten jenseits der Klischees, um den sich die verschiedenen Parteien versammeln und fundiert um die besten Lösungen ringen. So lernen wir als Menschen laufend dazu, durchbrechen unsere Echokammern und können transparent bewerten, wie hilfreich uns dieser dienstbare Geist wirklich ist. Wir werden immer souveräner.

Setzen wir ausschließlich auf LLM-KI, die in erster Linie den Menschen imitiert, nimmt diese dagegen eher die Rolle eines undurchschaubaren Orakels ein: Sie beantwortet eloquent jedwede Frage, ohne ihre – häufig falschen – Aussagen überprüfbar zu machen, und bietet uns an, gleich noch die Konsequenzen für uns zu ziehen und die Entscheidungen umzusetzen. Wir bekommen damit zwar mächtige Werkzeuge an die Hand, die für uns Gedanken ordnen und kreative Erzeugnisse hervorbringen – doch verlieren wir dabei zunehmend die Fähigkeit, Ziele selbst abzustecken und uns kritisch eine eigene Meinung zu bilden. Wir werden immer unmündiger.

Wir machen KI (wieder) zu einem befreienden Produkt

Von Apple über Google bis Wikipedia entstanden die frühen Helden des digitalen Zeitalters als Außenseiter – gegründet von unwahrscheinlichen Figuren und finanziert von Wagniskapitalgebern, waren sie der Schreck der Etablierten, indem sie den Nutzern mehr Transparenz und Kontrolle boten.

Es ist dagegen kein Zufall, dass GPT, Mistral, Grok und Co. von Industrie-Insidern hochgezogen werden, mit dem Geld der größten Tech-Giganten. Denn sie schicken sich nicht an, deren Geschäftsmodelle in auf den Kopf zu stellen – sondern wollen ihnen die Herrschaft endgültig sichern, indem sie die Mündigkeit der Nutzer verringern und sie in immer stärkere Abhängigkeit von gewollt intransparenten Systemen führen.

Wir setzen dem einen in jeder Hinsicht anderen Entwurf entgegen: Mit einem Team unabhängiger Geister, die nicht der Tech- und Konzernwelt verpflichtet sind, finanziert aus eigenen Mitteln und von Investoren aus dem deutschen Mittelstand, schaffen wir eine Lösung, die die Grenzen der dominierenden digitalen Ökosysteme sprengt und den Menschen die Souveränität zurückgibt: Die Kontrolle über ihre Daten, die Klarheit und Erklärbarkeit ihrer KI-Modelle, und die Entscheidungshoheit.

Ein unbestechliches System für all Jene, die sich ihres eigenen Verstandes effizienter und schlagkräftiger bedienen wollen, statt Denken und Entscheidungen an Systeme abzugeben, die sich als bester Kumpel ausgeben, sich dabei aber nie in die Karten blicken lassen.

Von Jan Schoenmakers, Gründer HASE & IGEL

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