Wie entwickelt sich die Wirtschaft Branche für Branche? Wo wird investiert, wo deinvestiert? Ein neuer Ansatz zeigt das viel schneller, zuverlässiger und effizienter. Dafür ermittelt Analytische KI aus verschiedenen Datenquellen im Netz, was Unternehmen wirklich tun. Wir stellen den neuen Branchenradar vor, den wir für Index Research entwickelt haben – und zeigen, was er über die deutsche Wirtschaft aussagt.
Die Herausforderung: wie misst man den Puls einer Volkswirtschaft?
Wie steht es wirklich um unsere Wirtschaft? Welche Branchen profitieren von einer Transformation, welche verlieren? Wer wächst trotz Krise? Diese Fragen treiben seit jeher Entscheider in Politik, Unternehmen und Medien um.
Etliche Konjunktur-Indizes und Gremien wollen die Antwort geben – doch liegen je häufiger daneben, desto schneller sich ein Markt oder eine Krise entwickelt und je stärker die Stimmung schwankt. Das ist ein Ergebnis ihrer Methodik: Bisherige Ansätze stützen sich stark auf die Befragung von Experten und Unternehmern und auf gemeldete Unternehmensumsätze. Was die Menschen in Befragungen sagen entspricht aber nicht immer dem, was sie wirklich tun – und in kleineren Branchen ist es schwierig, überhaupt genug Gesprächspartner zu bekommen. Umsätze hingegen sind unbestreitbare Fakten – diese Daten liegen aber immer erst im Nachhinein vor, oft mit viel Verzögerung.
Die Lösung: Taten zählen mehr als Worte. KI wertet sie aus.
Die umfassende Digitalisierung bietet eine neue Lösung: In einer Welt, in der fast jede Unternehmenshandlung einen digitalen Fußabdruck hinterlässt, kann man messen statt nur zu mutmaßen, was Unternehmen tatsächlich tun… und das ohne, dass sie aktiv mitarbeiten müssen.
Die Signale sind alle vorhanden: In einer guten Konjunktur wachsen und investieren Unternehmen. In einer schlechten Konjunktur stagnieren oder schrumpfen sie und fahren Investitionen zurück – oder deinvestieren gar. Beides wird sichtbar: Unternehmen, die wachsen, schreiben mehr Stellen aus, eröffnen neue Filialen, bauen neue Werke oder Lagerhäuser etc., während Unternehmen in schwieriger Lage u.A. ihr Recruiting zurückfahren, Filialen und Werke schließen, Mitarbeiter entlassen, Geschäftsbereiche verkaufen.

Angebotene Stellen findet man auf den Webseiten der Firmen, in den Stellenbörsen und bei der Arbeitsagentur. Informationen über Eröffnungen, Schließungen etc. stehen auf den Websites der Firmen und in ihren Pressemitteilungen, in den Lokal- und Wirtschaftszeitungen, in Kunden- und Mitarbeiterbewertungen und Social Media Posts.
Diese Quellen zu durchsuchen ist nicht trivial, aber auch nichts Neues – Suchmaschinen wie Google oder Media Monitoring Anbieter wie Unicepta machen das seit Jahrzehnten. Entscheidend ist jedoch, daraus die richtigen Informationen zu erkennen – was ist wirklich ein Investitionssignal? Welcher Branche ist das Unternehmen zuzuordnen? Diese Schritte wären bei zig Millionen Medienbeiträgen, Websites und Stellenanzeigen mit menschlicher Arbeit überhaupt nicht zu bewältigen – während die automatisierte Auswertung lange Zeit fehleranfällig und oberflächlich war.
Hier kommen die Fortschritte bei KI und die spezifischen Stärken unserer NEUTRUM.AI voll zur Geltung: Mit sehr hoher Qualität bei sehr hoher Geschwindigkeit wertet NEUTRUM die Inhalte aus – auch für zurückliegende Jahre, da die Beiträge ja veröffentlicht bleiben –, extrahiert daraus Investition- und Deinvestionssignale und ermittelt die Branchenzugehörigkeit der Unternehmen.
Für Stellenanzeigen hat Index Research ein vergleichbares System aufgebaut, das wir hier zurückgegriffen und seine Daten in NEUTRUM integriert haben, da es sämtliche Stellenanzeigen über viele Jahre rückwirkend vorliegen hat, während NEUTRUM darauf ausgerichtet ist, kunden- und anlassspezifisch aktuelle Stellenanzeigen zu durchsuchen.
Die Ergebnisse: Überragende Prognosequalität Branche für Branche
Unsere verschiedenen Machine-Learning- & KI-Modelle in der NEUTRUM.AI wetteiferten nun darum, wer am Besten die Entwicklungen der letzten Jahre erklären und – in einer Aufteilung auf Test- und Trainingsdaten – vorhersagen kann. In einem großangelegten Test für Index Research ließen wir dann das beste Modell ein Jahr lang im Live-Test die Entwicklung vorhersagen und daraus weiter lernen.
So erreichte das Modell aus den Index-Stellenanzeigendaten und den in NEUTRUM erhobenen Mediendaten eine sehr gute Prognosequalität selbst auf Ebene von Unterbranchen (WZ1), und eine herausragende Prognosequalität auf Ebene der Hauptbranchen (WZ0). Investitionssignale können 9 Monate im Voraus zuverlässig prognostiziert werden, offene Stellen 11 Wochen im Voraus. Gegenüber bisherigen Methoden liegen die Prognosen 75% seltener daneben!
Was die Zahlen sagen: Düsteres Bild für Deutschland – mit kleinem Hoffnungsschimmer
Die Ergebnisse offenbart ein besorgniserregendes Bild der deutschen Wirtschaft: In allen Branchen überwiegen Deinvestitionen die Investitionen – der Index liegt bei -0,52, wobei -1 bedeuten würde „es gibt nur Deinvestitionen“, +1 „es gibt nur Investitionen“. In 96% der Branchen wurden in den ersten beiden Monaten 2026 weniger Stellen ausgeschrieben als im Vorjahreszeitraum, im Schnitt sind diese um 14,5% zurückgegangen.

Besonders stark betroffen sind Textilindustrie, Lederindustrie und Kfz-Handel, während Informationsdienstleistungen wie Datenverarbeitung und Hosting und zuletzt auch das Sozial- und Gesundheitswesen einem Aufwind jenseits rein jahreszeitlicher Effekte entgegenblicken können – sowohl bei den Stellen, als auch beim Investitionsklima.
Generell bleiben zwar Investitionen und Arbeitsmarkt vorerst auf einem geringen Niveau – auch die übliche Frühjahrserholung fiel 2026 bereits vor dem Iran-Krieg schwächer aus als üblich – doch wachsen seit Ende 2024 die Investitionssignale wieder stärker als die Deinvestitionssignale. Für dieses Jahr werden die schlechten Nachrichten noch überwiegen, doch eine Trendwende in 2027 ist absehbar – sofern sich die Konjunktur nicht durch Iran-Krieg und Co weiter eintrübt.
Wie es weitergeht, verfolgen & prognostizieren wir mit und für Index Research nun fortlaufend – unter dem Label Index-Branchenradar.